| 23. September 2009
Ernest Miller Hemingway (* 21. Juli 1899 in Oak Park, Illinois; † 2. Juli 1961 in Ketchum, Idaho) war einer der erfolgreichsten und bekanntesten US-amerikanischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Er erhielt 1954 den Nobelpreis für Literatur.
Leben
Ernest Hemingway, 1918Hemingway war nicht nur Schriftsteller, sondern auch Reporter und Kriegsberichterstatter, Erzähler, zugleich ein Abenteurer, Jäger, Hochseefischer, Großwildjäger und vieles mehr. Sein Vater war Landarzt, seine Mutter Opernsängerin. Hemingway lernte früh jagen und angeln und liebte das Leben in der Natur. Als Achtzehnjähriger begann er 1917 seine Laufbahn als Lokalreporter in Kansas City.
Im Jahr 1918 meldete er sich im Ersten Weltkrieg freiwillig als Fahrer des American Field Service – einer Art Sanitätstransportgruppe – an der norditalienischen und französisch-deutschen Front, wo er zweimal schwer verwundet wurde. 1921 heiratete er Hadley Richardson. 1921 zog er nach Paris und verschrieb sich der Schriftstellerei, wobei er die Bekanntschaft anderer dort lebender Amerikaner, u. a. F. Scott Fitzgerald, Gertrude Stein und Ezra Pound, machte. 1925/1926 verbrachte Hemingway zwei Winter in Schruns im österreichischen Montafon, wo er seinen Roman Fiesta schrieb, mit dem ihm 1927 der Durchbruch gelang, was unter anderem seinem damals modischen, schnörkellos-knappen, simplifizierten Stil zuzuschreiben war. Hemingway übernahm diesen Stil von Sherwood Anderson, Ford Madox Ford und Gertrude Stein; er ist durch kurze Aussagesätze gekennzeichnet. Er begründete seine ökonomische Schreibweise später durch einen eigenen poetologischen Ansatz, das sogenannte Eisbergmodell.
Finca La Vigía Kuba
Ernest-Hemingway-Haus auf Key WestAb 1928 lebte er für einige Jahre in Key West. In seinem damaligen Wohnhaus ist jetzt ein Hemingway-Museum untergebracht. Das gleiche gilt für seine Finca La Vigía in San Francisco de Paula südöstlich von Havanna (später eingemeindet). Dort zog Hemingway 1939 mit seiner dritten Frau, der Journalistin Martha Gellhorn, ein. Seine vierte Frau Mary Welsh schenkte das Haus nach seinem Tode dem kubanischen Staat.
1934 reiste Hemingway zu einer Großwildsafari nach Kenia, die von den Großwildjägern Baron Bror von Blixen-Finecke, dem Ehemann von Karen Blixen, und Philip Percival geleitet wurde. Es gilt als gesichert, dass Blixen-Finecke und Philip Percival gemeinsam die Vorlage für die Figur des Robert Wilson, des weißen Jägers in der Kurzgeschichte Das kurze glückliche Leben von Francis Macomber bildeten. Blixen-Finecke war mehr der Charakter, Philip das Äußere. Philip war es auch, der Hemingway die Geschichte eines Nachts am Feuer erzählt hatte.
Kriegsreporter
Joris Ivens und Ernest Hemingway mit Ludwig Renn 1936 während des spanischen BürgerkriegsHemingway blieb auch nach dem Ersten Weltkrieg als Reporter tätig. So berichtete er zum Beispiel als Reporter im Griechisch-Türkischen Krieg 1922, und vom Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939). Während des Aufenthaltes in Spanien entstand unter dem Eindruck eines Aufenthaltes in Ronda Tod am Nachmittag, ein historisches Sachbuch über die Kunst des Stierkampfs. Am Zweiten Weltkrieg nahm er in einer umstrittenen Rolle als Kriegsberichterstatter teil; unter anderem mit dem tschechischen Kosmopoliten, Schriftsteller, Publizisten und Drehbuchautor Jiří Mucha. Die Zeichen des Kriegsberichterstatters entfernte er von seiner Uniform.
Hemingway behauptet in einem postum veröffentlichten Brief, er habe in beiden Weltkriegen 122 deutsche Soldaten getötet.[1] In einer anderen Briefstelle gibt er vor, einen Kriegsgefangenen mit mehreren Schüssen getötet zu haben. Sollte diese Behauptung wahr sein, hätte er damit wissentlich gegen die Genfer Konventionen verstoßen.
Aufgrund der Gerüchte über Kriegsverbrechen fand eine Befragung Hemingways durch eine Kommission statt, die ihn jedoch entlastete. Die Briefe Hemingways und seine unklare Rolle im Zweiten Weltkrieg gaben Anlass zu Diskussionen. Die Stadt Triberg im Schwarzwald setzte nach öffentlichem Druck 2002 das geplante Festival „Hemingway Days“ ab.[2] In Schruns im Montafon gab es Proteste gegen die Errichtung eines Hemingway-Denkmals wegen seiner angeblichen Kriegsverbrechen. Ein von der vorarlberger Gemeinde in Auftrag gegebenes Gutachten der Universität Hamburg kommt zu dem Ergebnis, es handle sich bei den einschlägigen Briefpassagen um „fiktionale“ Aussagen.[3]
Nobelpreisträger
Hemingways Schreibtisch in Key West1953 erhielt Hemingway den Pulitzer-Preis und 1954 den Literaturnobelpreis für Der alte Mann und das Meer. Die Novelle spielt in Hemingways Wahlheimat Kuba; das Vorbild für den Helden seines Buches, der kubanische Fischer Gregorio Fuentes, starb in seinem Heimatdorf im Jahr 2002 mit 104 Jahren. Hemingway verließ Kuba 1960 nach der Revolution und wurde nirgends mehr richtig heimisch, auch nicht auf Bimini (Bahamas). Noch einmal fuhr er nach Paris und nach Spanien; zwei Klinikaufenthalte in den USA brachten ihm auch keine Besserung.
1954 hielt sich Hemingway in Uganda auf. Dort überlebte er zwei Flugzeugabstürze an aufeinanderfolgenden Tagen.[4]
Die Jagd, Hochseefischen, Boxen und vor allem der Stierkampf faszinierten ihn, was sich auch in seinem Gesamtwerk widerspiegelt. Seine literarischen Helden sind typische Beispiele der „lost generation“ (Gertrude Stein); sie versuchen, ihr Leben zu meistern, und ertragen ihr Schicksal mit Fassung, was Hemingways knapper Schreibstil besonders betont. Wenn er ein Buch schrieb, dann aß er fast nur Sandwiches mit Erdnussbutter.
Krankheiten und Tod
Depressionen und Alkohol begleiteten ihn die meiste Zeit seines Lebens, das er nach langer Krankheit selbst beendete. Wie bereits sein Vater im Jahr 1928 erschoss sich Ernest Hemingway im Alter von 61 Jahren. Vor seiner Erkrankung (Bipolare Störung) war er ein Symbol für eine überbordende, wenngleich melancholische Lebensfreude.
Sein Buch Die Wahrheit im Morgenlicht (True at First Light) wurde 1999 postum veröffentlicht. In ihm beschreibt Hemingway seine letzte Safari in Kenia, die er 1953 in Begleitung seiner vierten Frau Mary und seines Sohnes Patrick unternahm.
Familie
Vater: Clarence Hemingway (1871–1928°)
Mutter: Grace Hall (1872–1951)
Geschwister:
Marcelline Hemingway (1898–1963)
Ernest Hemingway (1899–1961°)
Ursula Hemingway (1902–1966°)
Madelaine Hemingway (1904–1995)
Carol Hemingway (1911–2002)
Leicester Hemingway (1915–1982°)
1. Ehe (∞ 3. September 1921): Elizabeth Hadley Richardson (1891–1979)
John Hemingway (1923–2000) ∞ Byra Whittlesey (1922–1988)
Joan Hemingway (* 1950)
Margot Louise Hemingway (1955–1996°)
Hadley Mariel Hemingway (* 1961)
2. Ehe (∞ 10. Mai 1927): Pauline Pfeiffer (1895–1951)
Patrick Hemingway (* 1928)
Gregory Hemingway (1931–2001)
3. Ehe (∞ 21. November 1940): Martha Gellhorn (1908–1998)
4. Ehe (∞ 14. März 1946): Mary Welsh (1908–1986)
Fünf Familienmitglieder der Hemingways, in drei Generationen, begingen Selbstmord. Neben Ernest begingen auch Ernests Vater, sein Bruder Leicester und seine Schwester Ursula. Sein Sohn Gregory (nach einer Geschlechtsumwandlung nannte sie sich Gloria) starb am 1. Oktober 2001 im Alter von 69 Jahren in Folgen eines Herzinfarktes in einem Frauengefängnis in Miami. Seine Enkelin Margaux, Schauspielerin und Fotomodell, nahm sich 35 Jahre nach ihm ebenfalls das Leben.
Werke [Bearbeiten]
Up in Michigan, 1921 - Kurzgeschichte aus Kanada
In Our Time (dt. In unserer Zeit), 1925 - Kurzgeschichtensammlung aus Europa
The Torrents Of Spring (dt. Die Sturmfluten des Frühlings), 1926 - Erzählung
The Sun Also Rises (dt. Fiesta), 1926 - Roman über Nachkriegsgeneration in Europa
The Nick Adams Stories (dt. Die Nick-Adams-Stories) - Kurzgeschichten, u.a. mit Die Killer
Hills Like White Elephants, 1927 - Kurzgeschichte
A Farewell to Arms (dt. In einem andern Land), 1929 - Roman aus dem Ersten Weltkrieg
Death in the Afternoon (dt.Tod am Nachmittag), 1932 - Essay über den Stierkampf und seine Geschichte
The Green Hills of Africa (dt. Die grünen Hügel Afrikas), 1935 - Geschichte aus Afrika
The Short Happy Life of Francis Macomber (dt. Das kurze glückliche Leben von Francis Macomber), 1936 - Kurzgeschichte aus Afrika
The Snows of Kilimanjaro (dt. Schnee auf dem Kilimandscharo), 1936 - Kurzgeschichte aus Afrika
To have and have not (dt. Haben und Nichthaben), 1937 - Roman aus Key West
The spanish war, London 1938
Old man at the Bridge (dt. Alter Mann an der Brücke) - Geschichte aus dem Spanischen Bürgerkrieg, 1938
The fifth column: and four stories of the Spanish Civil War, 1940, New York: Scribner's Sons Book; New York: Macmillan Publ. Co., 1989, ISBN 0-684-15815-9
For Whom the Bell tolls (dt. Wem die Stunde schlägt), 1940 - Roman aus dem spanischen Bürgerkrieg
Across the River and into the Trees (dt. Über den Fluß und in die Wälder), 1950 - Roman aus dem Zweiten Weltkrieg
The Old Man and the Sea (dt. Der alte Mann und das Meer), 1952 - Novelle aus Kuba
Paris. A Moveable Feast (dt. Paris - Ein Fest fürs Leben), 1965 - Erinnerungen
Islands in the Stream (dt. Inseln im Strom), postum 1970 - Roman über die Karibik, seine Söhne und den Krieg
The Dangerous Summer (dt. Gefährlicher Sommer), postum 1985 - Beschreibung von Hemingways letzter Stierkampfreise nach Spanien
The Garden of Eden (dt. Der Garten Eden), postum 1986 - Roman über eine Ménage à trois in Südfrankreich
True at First Light (dt. Die Wahrheit im Morgenlicht), postum 1999 - Beschreibung von Hemingways letzter Safari in Afrika
A Clean, Well-Lighted Place
A Day's Wait - Kurzgeschichte.
Auf Deutsch: Gesammelte Werke in 10 Bänden (Pb.), Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2003 (Neuausgabe), ISBN 3-499-23508-0
Filmografie (Auswahl) [Bearbeiten]
Auf Grundlage von Hemingway-Werken [Bearbeiten]
1932 - A Farewell to Arms - Regie: Frank Borzage (mit Gary Cooper)
1943 - Wem die Stunde schlägt (For Whom the Bell Tolls) - Regie: Sam Wood (mit Gary Cooper und Ingrid Bergman)
1944 - Haben und Nichthaben (To Have and Have Not) - Regie: Howard Hawks (mit Humphrey Bogart und Lauren Bacall)
1946 - Rächer der Unterwelt (The Killers) - Regie: Robert Siodmak (mit Burt Lancaster und Ava Gardner)
1947 - The Macomber Affair - Regie: Zoltan Korda (mit Gregory Peck)
1950 - The Breaking Point (nach dem Roman Haben und Nicht Haben) - Regie: Michael Curtiz (mit John Garfield)
1952 - Schnee am Kilimandscharo (The Snows of Kilimanjaro) - Regie: Henry King (mit Gregory Peck, Susan Hayward, Ava Gardner und Hildegard Knef)
1957 - Zwischen Madrid und Paris (The Sun also rises) - Regie: Henry King (mit Tyrone Power, Ava Gardner und Errol Flynn)
1957 - In einem anderen Land (A Farewell to Arms) - Regie: Charles Vidor (mit Jennifer Jones und Rock Hudson)
1958 - Der alte Mann und das Meer (The Old Man and the Sea) - Regie: John Sturges (mit Spencer Tracy)
1964 - Der Tod eines Killers (The Killers) - Regie: Don Siegel (mit Lee Marvin, Angie Dickinson, John Cassavetes und Ronald Reagan)
1977 - Inseln im Strom (Islands in the Stream) - Regie: Franklin J. Schaffner (mit George C. Scott und David Hemmings)
1990 - Der alte Mann und das Meer - Regie: Jud Taylor (mit Anthony Quinn)
2001 - After the Storm - Regie: Guy Ferland (mit Armand Assante, Benjamin Bratt und Mili Avital)
Über Hemingway [Bearbeiten]
1987 - Hemingway. Vierteiliger Fernsehfilm von Bernhard Sinkel mit Stacy Keach, Marisa Berenson, Geraldine Chaplin und Pamela Reed. Golden Globe Award für Stacy Keach.
1996 - In Love and War. Spielfilm mit Chris O’Donnell und Sandra Bullock - Hier werden die Jahre des ersten Weltkrieges erzählt, in denen Hemingway verletzt wurde. Der Produzent des Films, Dimitri Villard, ist der Sohn von Henry S. Villard, einem Kameraden von Hemingway.
1999 - Michael Palin's Hemingway Adventure. Vierteilige Dokumentation mit Michael Palin, der die verschiedenen Stationen von Hemingways Leben besucht und versucht, seinem Leben etwas näherzukommen.
2005 - Mitten im Leben – Ernest Hemingway. (OT: Ernest Hemingway: Rivers to the Sea.) Dokumentation, Deutschland, Frankreich, 2005, 80 Min., Regie: Dewitt Sage, Produktion: arte, BR, Inhaltsangabe von arte
2005 - Der Fluch der Hemingways. Dokumentation, Deutschland, 58 Min., Buch und Regie: Clarissa Ruge und Karin Davison, Produktion: BR, Tangram, WDR, Inhaltsangabe von arte. (Enkel John Hemingway geht der Frage nach, warum sich die Hemingways so oft das Leben nahmen.)



