| 22. September 2009
Edmonde Quartier la Tente beschrieb 1893 in einer Geschichtsrundschau aus Neuchatel, daß das "Elixier d'Absinthe" auch schon vor dem Auftauschen des Dr. Ordinaire in der Region bekannt gewesen sei. In dieser Zeit lebte Eine Henriette Henriod in Couvet, die "Mutter Henriod" genannt wurde, nicht zu verwechseln mit Lisette Henriod aus Bourgeau oder den Töchtern eines Leutnant Henriod. Die Mutter Henriod stellte Kräuterheilmittel her und war in der Region sehr beliebt und bekannt. Unter anderem stellte sie auch ein bestimmtes Elixier auf Wermutbasis her, das gegen eine große Anzahl an Krankheiten verwendet werden konnte. Es kann nicht mehr nachvollzogen werden, wie Dr. Ordinaire genau in den Besitz dieses Rezepts gekommen ist, aber seine Bedeutung in der Geschichte geht nicht darüber hinaus, als daß er diesen Heiltrank im Val de Travers verbreitete. Jedenfalls ist es wohl frei erfunden, daß Dr. Ordinaire das Rezept auf seinem Sterbebett an seine Hausherrin Grandpierre gegeben hat, die ihrerseits es an die Töchter des Leutnant Henriod verkaufte und durch die es dann in die Hände von Major Dubied gelangt sein soll... Seriöse Recherchen haben ergeben, daß Pierre Ordinaire mit Henriette Petitpierre verheiratet gewesen war, deren Vater eine Herberge in Couvet hatte - so kann Ordinaire unmögliche eine Hausherrin gehabt haben. Ausserdem starb Ordinaire erst 1821 - und Dubied fing bereits Ende des 18. Jahrhunderts an, Absinthe in Couvet zu produzieren. Auch wenn es nicht zweifelsfrei belegt werden kann, hat die Mutter Henriod die Ehre, als Erfinderin des Absinthes zu gelten. Sie stellte in durch Mazzeration und anschließender Destillation her. Sie zog die Pflanzen, die sie dafür brauchte im eigenen Garten. Gebrannt wurde in der Küche und im Foyer, wo ein Brennhafen auf einem Dreifuß stand. Sicher war die Ausbeute nicht groß, aber von Zeit zu Zeit gab sie etwas an Hausierer, die das Elixier dann weiterverkauften. Im historischen Museum von Neuchatel wird eine alte Etikette ausgestellt, auf der zu lesen ist, daß es sich um einen destillierten Likör handelt. Darauf zu sehen ist ein Brennhafen und ein Glaskolben. Das war damals wichtig, denn man wollte den Kunden zeigen, daß es sich nicht einfach nur um einen Kräuteransatz hielt, sondern um eine moderne Destillation! Die medizinische Wirkung wurde auf dem Etikett grafisch sehr schön durch eine sich windende Schlange unterstützt. Auf dem Etikett stand: "Extrait d'Absinthe qualite superior de l'unique recette de mademoiselle Henriod de Couvet, Comte de Neuchatel en Suisse".


